Ganz neu: Müllproduktions-Pflicht

Ganz neu: Müllproduktions-Pflicht

Ein frohes neues Jahr allen meinen LeserInnen und KundInnen! Doch leider beginnt 2020 mit einem großen Ärgernis, über das schon viel geschimpft wurde: mit der Bonausgabepflicht. Auch ich möchte an dieser Stelle Dampf ablassen über diesen riesengroßen Blödsinn, der leider allen von der Finanzverwaltung auferlegt wurde.

Unsere Kasse ist eine Festung

Wie viele schon gesehen haben, arbeiten wir im Wollkaufladen mit einer elektronischen Kasse. In unserem Fall funktioniert das mit einer kostenpflichtigen App, die auf einem Tablet installiert ist. Dafür entspricht dieses Kassenprogramm den ohnehin schon strengen Vorschriften der Finanzverwaltung. Das heißt, alle Vorgänge, die wir mit der Kasse buchen, werden abgespeichert. Auch alle weiteren Aktionen, die ich an der Kasse vornehme (z.B. das Anlegen neuer Produkte) werden aufgezeichnet. Wenn eine Person von der Finanzverwaltung bei mir vorbeischaut, um die Kasse zu prüfen, kann ich innerhalb von Sekunden sämtliche Daten zur Verfügung stellen. Durch eine Neuerung der Kassensicherungsverordnung ist außerdem vorgeschrieben, dass eine technische Sicherungseinrichtung installiert wird, die eine Manipulation der gespeicherten Daten verhindert. So. Und wozu jetzt die Bonpflicht?

Sinnlose Restmüllberge

Die neue Bonausgabepflicht sieht vor, dass wir jeder KundIn unaufgefordert einen Beleg aushändigen. Das kann auch elektronisch passieren, aber jetzt mal ganz im Ernst: Soll ich von allen KundInnen dann auch noch die E-Mail-Adresse erfragen und den Beleg per E-Mail verschicken? Spätestens da grätscht mir doch die DSGVO rein (wahrscheinlich müsste jede/r erstmal unterschreiben, dass ich die Adresse überhaupt nutzen darf).
So bleibt also der Bon in Papierform. Wobei, mit Papier hat das, was da aus dem Drucker kommt, nicht so viel zu tun. Denn das Thermopapier ist beschichtet und kann nicht recycelt werden. Deshalb wird es im Restmüll entsorgt.

Meiner Erfahrung nach wollen mindestens 80% meiner KundInnen keinen Bon haben. Mit der Ausgabe des Bons (auf dem Daten stehen, die SOWIESO in meinem Kassenprogramm abgespeichert werden) habe ich dann aber meine leidige Pflicht getan. Richtig skurril wird es aber erst, nachdem ich Euch, lieben KundInnen, den Bon übergeben habe. Denn es steht Euch natürlich völlig frei, ob ihr ihn behalten wollt oder nicht.  Deshalb habe ich gleich heute als erste Amtshandlung einen Mülleimer aufgestellt. Fühlt Euch frei, ihn zu benutzen. Bleibt nur noch die Frage, wo an dieser Stelle dann das Finanzamt die Möglichkeit sieht, Steuerbetrug zu bekämpfen. Wer es weiß, darf mir das gerne mal erklären.